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:: leuchten in der finsternis 2007 bis 2010 . Progress

Mut tut gut!  und Was bewegen.... Gesamtlänge 84 Minuten

Ablauf

2006 / 2007

Recherche, Drehbuch, Fundraising

Anfang 2007

Filmpaten Modellprojekt

13.03.07

website start

Sommer 2007

Zukunftswerkstatt: Blumenauer Leuchten in Zusammenarbeit mit MAG's

2007 / 2008

Antrag auf gerichtliche Zuwendungen . Projektmodifizierung

Mai 2008 / 2009

Dreharbeiten

2008 fff.

Weltwirtschaftskrise

2009

Dreharbeiten & Montage

Sommer 2009

Mastering . Postproduktion

10.10.2009

Premiere: Kino im Münchner Stadtmuseum

Fakten

Genre

Dokumentarfilm . Langzeitdokumentation . Autorenfilm

Charakteristik

unabhängig . prozessorientiert . kooperativ . verantwortlich . nachhaltig . selbstbestimmt

Analyse

Zusammenhang zwischen sozialen Hemmnissen und Bildungschancen

Methode

work-in-progress mit Verstand . Herz & Leidenschaft

Perspektive

Innenansichten der ProtagonistInnen

Ziele

jungen Menschen Mut machen für Bildung und Ausbildung

<-> bildungs-privilegierten Jugendlichen aufzeigen, wie andere junge Menschen

in schwierigen Lebenslagen (über-) leben... (peer to peer communication)

Laufzeit + Format

86 Minuten HD 16:9

Topics

Bildung | Ausbildung | Übergang Schule und Beruf | Chancengleichheit | Gender Identity | Innenansichten | Jugend | Kinderrechte | Recht auf Bildung und Ausbildung | Bildungspolitik | Soziale Konflikte | Hauptschule | Alleinerziehende

Drehgenehmigungen

840 von Schülerinnen und Schülern sowie deren Erziehungsberechtigten

Drehtage

44 Tage . diskontinuierlich

Drehorte

München und Umland

Transporte

überwiegend öffentlich . Fahrrad . zu Fuß .

HD-Material

1,7 GB

Rohschnitt

180 Minuten

Produktion

mediaedition . yola kettermann-grimm

Co-Produktion

Initiative 21 e.V. vertreten durch die Vorstände:

Alfred Miller . Brigitte Zwenzner . Angelika Miller

Mitverantwortlich fühlten wir uns für

Zwei

Menschen mit einer Krebserkrankung

Vier

Menschen mit Burn-Out

Drei

Familiendramen

Eine

Traumatische Hyphäma

Eine

Toxikologische Allergie

Eine

Suizidabsicht

Vier

Menschen mit schweren Depressionen

Vier

Trennungen

Drei

Versöhnungen

Eine

Menschwerdung am 28.09.09

Finanzierung

Projektidee, Konzeption, Recherche und Exposé sind Voraussetzungen für eine Koproduktion mit einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Das Exposé wird mehreren Redaktionen schriftlich vorgestellt und bis zur Bewilligung - wenn überhaupt - dauert es Monate. Das Drehbuch muss an die jeweiligen Formate und die Sendeplatzrichtlinien angepasst sein. Eigene Dokumentarfilmsendeplätze für Jugendthemen gibt es nicht. Ohne „letter of intent“ der Sendeanstalten ist es unmöglich, subventionierte Filmförderung zu erhalten. Da wiederum die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zunehmend weniger Mittel für Dokumentarfilme bereitstellen (dumping) und immer mehr Rechte einfordern (buy-out Verträge), kommt es auf dem Dokumentarfilmmarkt zunehmend zu Engpässen. Alternative Finanzierungen (Crowfunding) und Weltmarktvertrieb (German Documentaries) werden bei Dokumentar-Filmproduktionen immer bedeutsamer (vgl. Carl-A. Fechner http://www.energyautonomy.org/).

Auch bei alternativen und nicht-kommerziellen Filmvorhaben bestimmt der Bekanntheitsgrad den Marktwert - dies trifft weder auf die Initiative 21 e.V. noch auf meine Person zu. So habe ich mich vergeblich um Gelder, die aus gerichtlichen Strafverfahren stammen und bei diversen Stiftungen um zusätzliche Projektmittel bemüht. Die in Frage kommenden Stiftungen waren zwar von der Projektabsicht angetan, arbeiten jedoch ausschließlich operativ, das heißt, trotz Goodwill fehlen ihnen Finanzmittel, um außenstehende Projekte zu unterstützen. Die Tatsache, das in Deutschland der Bildungssektor unterfinanziert und die Fragestellung des Filmthemas zu beschämend für ein (noch) reiches Industrieland ist, spielte gleichfalls eine Rolle. Wenn zum Beispiel aus Geldmangel ein Direktor einer Münchner Hauptschule eine Catering-Schülerfirma gründet, um das Mittagsessen für arme Kinder finanzieren zu können, warum also sollte es dann einer Filmproduktion besser gehen als einer Bildungseinrichtung?

Erst der SZ-Aufruf-Artikel und die darauf folgende Unterstützung der Filmpaten brachten dann 2007 den Durchbruch. Mut machten mir auch Alfred Miller, Stefan Roth und Brigitte Zwenzer von der Initiative 21 e.V. sowie Wolfgang Grimmeisen und Martin Ludwig in Hinblick auf die Unterstützung seitens befreundeter Medienschaffenden.
Kaugummi-Produktion
Jedes künstlerische Schaffen braucht ein möglichst unmittelbares Ventil. Wie oft beneide ich KünstlerInnen, die sich in ihrem Metier unmittelbar und ohne Umwege, komplizierte Finanzierung, kostspielige Geräte-Technik, Logistik und langfristige Terminplanungen direkt und unmittelbar künstlerisch ausdrücken können. Bei :: leuchten in der finsternis führte die permanente Unterfinanzierung zu ständigen Kontinuitätsverzögerungen, weil erst mal eigene Filme verkauft, Leistungen, Termine oder Geld erbeten bzw. abgewartet werden mussten oder meine Tagwerkleistung mit mindestens 14 Stunden und 7 Tage Arbeits-Woche einfach nicht ausreichte.
Eine DokFilmProduktion will und muss am Puls der Zeit sein, das war bei :: leuchten in der finsternis leider nicht der Fall. Der Kaugummi-Effekt machte sich noch bei weiteren Umständen bemerkbar: Man muss sich darüber klar werden: Zeit ist in unserer heutigen Gesellschaft kostbar und rar, auch für Kinder, Jugendliche und sogar Menschen im Ruhestand. Die Handykommunikation lässt uns nur scheinbar die Illusion, immer und überall erreichbar zu sein und jederzeit kommunizieren zu können. Besonders Kids wechseln häufig ihre Telefon-Nummern und E-Mail-Adressen; Mailboxen sind aus Kostengründen selten in Gebrauch. Umstände, die einen Kommunikations- und Workflow erheblich erschwerten.
Bei allen siebzehn-jährigen Menschen ist das noch-nicht-erwachsen-sein-Leben noch neu und die Ereignisse, Anforderungen und Gegebenheiten wechseln täglich. Auch bei meinen Hauptprotagonistinnen: Tanja hat einen extrem langen Schulweg, Janine muss ihre krebskranke Mutter zur Bestrahlung bringen oder den Kindergarten ihrer kleinen Schwester putzen und Beide müssen auf ihre kleinen Geschwister aufpassen. Trotz genauer Planung und intensiven Absprachen führte dieser Umstand zu einigen, für mich schmerzhaften, Drehausfällen. Ich konnte einfach nicht so arbeiten, wie ich es plante und meine Frustrationstoleranz war überbeansprucht, wenn ich allein mit präzisem Drehplan, Fragen und Equipment am vereinbarten Drehort stand.
Exkurs: Ausgleich

Die überwiegend jährlich mit der „Allianz der Deutscher Produzenten“ neu ausgehandelten Gagen-Tabellen für Film- und Fernsehschaffende gelten für die Produktionsdauer der abhängig Beschäftigten. Die Berufsvereinigung Filmton e.V. appelliert für einen selbstständigen Aufschlag von 30 % für Freie, also nicht abhängig Beschäftigte, die auf Rechnung arbeiten. Der Aufschlag ist betriebswirtschaftlich gesehen sinnvoll, da Freie sich sozialversichern müssen und ein hohes unternehmerisches Risiko selbst tragen.

Die Medienbranchen-Realität sieht jedoch so aus: Dumping von Honoraren, Gagen und Dienstleistungen; Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz, Unterlaufen tarif-vertraglicher Regelungen, Kürzung von Sozialversicherungsbeiträgen...

Aber auch für die meisten freien Produzenten ist die Lage bitter und ernst: Sie erhalten von ihren Auftraggebern für ihre Leistungen immer weniger Geld, was sich dann wiederum negativ auf die Honorare auswirkt.

Kultur- und Medienschaffende sind Seismographen unserer Gesellschaft und bekommen als gesellschaftliche Gruppe zuerst einen destruktiven Wettbewerb, konjunkturelle Krisen und Inflation zu spüren, wenn der Volkswirtschaft monetäre Mittel fehlen. Nach meiner Meinung ist es zu jedoch kurz gegriffen, zu jammern und sich dem Schicksal ergeben, vielmehr lohnt sich ein Blick auf die eigentlichen Ursachen:

Tatsächliche Leistungen werden mit erheblichen Steuern (Umsatz- Einkommens- Gewerbesteuer etc.) belegt, jedoch nekrophil-gierige, leistungslose Finanztransaktionen bleiben wiederum steuerfrei, sodass der realen Volkswirtschaft im Umlauf Geldmittel fehlen. Dieser Mangel bewirkt wiederum eine Einschränkung von gesellschaftlichem Handeln, nachhaltiger Entwicklung und Fortschritt.

Gewinne werden rücksichtslos, narzisstisch und egomanisch kassiert, Verluste und Reparaturen sozialisiert. Das Volumen des OTC-Derivat-Handels der Hedgefonds und Investmentbanken betrug 2009 weltweit 450 Billionen Dollar und steigt jährlich rasant an. Der EFSF soll auf bis zu zwei Billionen Euro gehebelt werden, Geld, das wiederum von Banken und Versicherungen geliehen werden muss – eine unvorstellbare Summe, hinter der Steuerzahlungen und damit reale menschliche Arbeitsleistungen der Mehrheit der Bevölkerung stehen.

Beispiel Banken: Die Deutsche Bank erwartet trotz Eurokrise für das Jahr 2011 zehn Milliarden Euro Gewinn; davon stammt zwei Drittel aus dem Investmentbanking, trotzdem werden 500 Stellen bis Mai 2012 gestrichen.

Beispiel Investmentbanker: Eine Studie der Universität St. Gallen aus diesem Jahr weist nach, das sich Aktienhändler noch rücksichtsloser und manipulativer als Psychopathen verhalten.

Wenn im Derivathandel Wetten auf den Ruin eines Unternehmen oder eines Staates abgeschlossen werden können, die Gewinne leistungslos kassiert und dabei die Verluste sozialisiert werden, spätestens dann sollten wir uns klar machen, dass es sich hierbei um einen erbitterten, unsichtbaren, gnadenlosen weltweiten Krieg gegen alle Lebewesen, die Gesellschaft und Umwelt handelt.
Produktions-Fazit
Auch wenn die Koproduktion mediaedition und Initiative 21 bei dem Filmprojekt :: leuchten in der finsternis weder Aufwandsentschädigungen, Honorare, Gehälter noch sonstige Arbeitsentgelte bezahlen konnte, so bin ich der festen Überzeugung, das alle Tätigkeiten und Leistungen fair und gerecht bezahlt werden sollen. Anderen Produktionen und Crowdfunding-Projekten möchte ich also an dieser Stelle eindringlich raten, ihr Team und Dienstleister gerecht zu behandeln und fair zu bezahlen.
Ich selbst bin für die Unterstützung und das Wohlwollen meiner KollegInnen zutiefst dankbar und habe immer darauf geachtet, dass ein gearteter Ausgleich / Tausch stattfindet. Die ersten beiden Teile von :: leuchten in der finsternis waren und sind eine Ausnahmeproduktion.
Mit der Unterstützung aller Beteiligten konnte ein Dokumentarfilm realisiert werden, der einen einzigartigen, unvoreingenommenen Blick auf unsere Zeit und Wirklichkeit vertieft und jungen Menschen, trotz sozialen Hemmnissen, Mut machen kann für mehr Bildung und Ausbildung.
leuchten in der finsternis . index Mut tut Gut
Was bewegen...
Dank an alle Filmpaten
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