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Auswertungsveranstaltungen . Beispiel Berufsvorbereitung (BVJ)

Das BVJ wurde für Schüler eingerichtet, die noch der Schulpflicht unterliegen und nach der Beendigung der Hauptschule oder bei Abbruch der Schule weder einen Ausbildungsplatz finden, noch die Möglichkeit haben, weiterführende Schulen zu besuchen.

Ich konnte :: leuchten in der finsternis in einer BVJ-Klasse der Berufsschule für Einzelhandel vorführen und moderieren. Herr Hofer (Oberstudienrat) stellte mir hierfür zwei Unterrichtseinheiten zur Verfügung:

Auszug aus der Konzeption für BVJ

Einheit I 8:15 Uhr :: Schwerpunkt Schule

Filmvorführung
:: leuchten in der finsternis Mut tut Gut! 45 Minuten

anschließend Filmgespräch
Themenschwerpunkte u.a. persönliche Erfahrungen, Hauptschule einschließlich Vorurteile gegenüber Hauptschülern, Chancen der schulischen Weiterbildung, Hindernisgründe und Hilfsangebote
…....................

Einheit II ca. 10:00 Uhr bis 12:30 Uhr :: Schwerpunkt Beruf

Filmvorführung :: leuchten in der finsternis Was bewegen! 45 Minuten

anschließend Filmgespräch
Themenschwerpunkte u.a. persönliche Erfahrungen im Hinblick auf Beruf und Ausbildung, Chancen der beruflichen Bildung, Weiterbildung, Hindernisgründe und Hilfsangebote, Perspektiven
…............................

Moderation yola
Unbedingt erwünscht sind Ihre (Herr Hofer) fachlichen Ergänzungen, Zuordnungen und Einschätzungen!!!

Einige Schüler der Klasse wurden im Laufe des BVJ-Jahres wegen Fehlverhalten aus der Klasse entlassen. Die restlichen Schüler, nur Jungen, haben keinen, einen oder einen qualifizierten Hauptschulabschluss. Einige haben die Aussicht auf eine Berufsausbildung im Einzelhandel, andere stehen in Bewerbungsverfahren und zwei kaum Aussichten auf eine Lehrausbildung.

Auszug aus einem (Auswertungs-) Brief an die BVJ Klasse. Dieses Schreiben diente der Unterrichts-Nachbesprechung des Lehrers mit der Klasse:

Die Kritik von Seif an dem Film, dass zu viel geredet wird und zu wenig Aktion passiert sowie Eure „Schulallergie“ nehme ich mir zu Herzen und werde so den ersten Teil des Films „Mut tut gut!“ etwas kürzen. Heute früh habe ich mir also überlegt, die Schülerfirma vom Filmanfang raus zu nehmen und den, auch für mich sterbens-langweiligen Unterricht – trotz aller freundlichen Bemühungen der Lehrerin – auf ein humanes Maß zu kürzen.

(Anmerkung: Es gibt auch viele Erwachsene, die sogar studiert und trotzdem eine heftige Schulallergie haben...)

Danke auch für das Kompliment: „Was sind denn das für tolle Lehrer?“ über Herrn Huber und Herrn Hörlein. Nicht alle Lehrer sind so, wie es einige von euch erlebt haben. Ich denke, die zukünftigen Einzelhandels-Auszubildende können sich auch auf ihren Weg im Einzelhandel freuen, denn die Berufsschule ist, nach meiner Erfahrung, annähernd optimal. Und wenn es Probleme geben sollte, so habt ihr die Möglichkeit, euch an die Schulsozialarbeit zu wenden.

Das Filmgespräch verlief faszinierend, interessiert und beteiligt. Auch Herr Hofer brachte sich, wie gewünscht, mit einigen Erfahrungen ein. Wir waren Alle so gesprächsvertieft, dass wir den Pausengong ignorierten, die schulübliche Pause verschoben und sogar verkürzten:

Auszug aus (Auswertungs-) Brief an die BVJ-Klasse

Auch möchte ich euch sehr loben, aus euren Film-Reaktionen und Fragen kann ich entnehmen: Ihr habt mehr Feinheiten von :: leuchten in der finsternis bemerkt, als mancher Erwachsener. Das bestätigt mich, in der Machart des Films richtig zu liegen.

Dass ihr viel mehr Grips habt, als viele Menschen von euch vermuten – und ihr wahrscheinlich euch selbst zutraut, habt ihr mit euren Antworten, auf die Frage, wie eine gute Lehrer- /Schüler und Schulbeziehung aussehen soll, bewiesen:

  • Die Lehrer sollen cool sein.

(Lehrer: Wir haben teilweise schwierige Schüler, da hilft, es authentisch und direkt zu sein.)

  • Die Schüler motivieren.

(Lehrer: Die Schüler sollen sich auch motivieren lassen...)

  • Den Unterrichtsstoff nicht „an die Tafel hin klatschen“, sondern Allen erklären.

  • Auf schlechte Schüler individuell eingehen.

  • Von guten Schülern lernen.

  • Selbst nachfragen und Fragen stellen.

(yola: zuhören! )

Zwei Jungen der BVJ-Klasse sind an wirklich üblen Hauptschulen schikaniert worden und daraufhin emotional ausgerastet; sie haben ihre Lehrerinnen geschlagen. Als Herr Hofer die Klasse für einige Zeit verlassen musste, fragte er, ob er mich mit ihnen allein lassen könne. Was für eine Frage, wir verstanden uns gut und waren wir gerade mitten im Gespräch:

Auszug aus (Auswertungs-) Brief an die BVJ-Klasse

Zur Verteidigung der Lehrer möchte ich noch sagen, nicht alle Hauptschulen und Lehrer sind so schlecht, wie ihr es erlebt habt, manche, wie die im Film gezeigte Wittelsbacher Hauptschule, sind sogar ausgesprochen gut. Aber das geht oft auf Kosten der Lehrer, wenn sie neben dem Unterricht auch noch „Schulsozialarbeit“ leisten. Und die Lehrer der Grund- und Hauptschulen verdienen sehr, sehr wenig Geld, oft viel weniger, zum Beispiel als ein Einzelhandelskaufmann, der Karriere in einem Betrieb gemacht hat.

Auch kommen die Lehrer aus einer anderen gesellschaftlichen Schicht und können mit eurer direkten Art nicht umgehen. Sie sind es gewöhnt, mit Worten zu kämpfen und haben schlichtweg Angst vor euch. Diese Angst und eure Wut schaukeln sich dann hoch und es kommt zu einem Gewaltausbruch, der beiden Beteiligten schadet. Diesen Effekt nennt man dann Eskalation, an manchen Hauptschule herrscht ein regelrechter „Krieg“ zwischen Schülern und Lehrern.

Ich persönlich könnte zum Beispiel nicht als Lehrerin arbeiten, weil ich bei dem üblichen Lärm in der Klasse mich nicht mehr konzentrieren kann. (=Berufskrankheit: Bei Filmaufnahmen muss alles leise sein.) Ohrenbetäubenden Schulklassenlärm findet ihr in jeder Schule, auch in Real- und Oberschulen.

Im Gegensatz zu den Mädels, die sich eher ihrem Schicksal ergeben, wehrt ihr euch. Das finde ich prinzipiell richtig. Aber bitte mit Grips, eurem Verstand und mit klugen Worten. Das ist viel wirkungsvoller als Brüllen und Zuschlagen. Auch Schüler haben Rechte, holt euch Hilfe, wenn die Lehrer euch schlagen oder stundenlang sinnlose A´s an die Tafel schreiben lassen.
Es gibt auch viele Erwachsene, die auf eurer Seite sind, wenn euch Unrecht geschieht!.

Und Hilfsstellen: Schulsozialarbeit, Jugendinformationszentren, Freizeitheime und viele andere. Das sind Hilfsorganisationen, die ihr teilweise schon kennt oder im BVJ vorgestellt bekommt. Also Gewalt ist keine Lösung und ihr habt viel auch mehr Rechte, als ihr glaubt...

(Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland: Schutz der Menschenwürde …
Europäische Menschenrechtskonvention, UN-Kinderrechtskonvention: das Recht auf Bildung und Ausbildung … Minderheitenschutz, Jugendarbeitsschutzgesetz ….)


Trotz verständlichem Lehrer-Hass würde ich mir also an eurer Stelle Herrn Hofer als Vorbild nehmen. Er ist meines Erachtens richtig cool und ihm könnt ihr bei Konfliktlösungen einiges abschauen...

Gewalt untereinander ist auch blöd und echt uncool, es gibt andere Methoden, Wut, Hass und Aggressionen abzubauen. Nehmt Euch doch bitte auch die Empfehlung der beiden Mädchen Janine und Tanja aus :: leuchten in der finsternis zu Herzen: haltet zusammen und seid cool miteinander, anstatt euch gegenseitig zu attackieren, die Welt der Erwachsenen ist hart genug.

Nach der Film-Veranstaltung waren die Klasse und Herr Hofer begeistert:

Sie machen den Kids richtig Mut, kommen sie doch bitte nächstes Schuljahr wieder“.

Neustart . Auswertung

Die Zielgruppe von :: leuchten in der finsterns Jugendliche, Erwachsene und MultiplikatorInnen ist relativ klein, weil das Thema Bildung nur so lange interessant ist, wie die Menschen selbst direkt oder indirekt davon betroffen sind, danach geht das Thema Bildung und Ausbildung in der heutigen Medienflut unter.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat es jahrzehntelang versäumt, die Zielgruppe Kinder und Jugendliche mit anspruchsvollen narrativen Dokumentarfilmen zu versorgen. Wen wundert es also, wenn sich die heutigen Sehgewohnheiten der Kids verändert haben, sie kaum mehr fernsehen und die kurzen Clips von You Tube vorziehen.


Mit Fertigstellung eines DokFilms habe ich so lange daran gearbeitet, dass ich den Film vorwärts und rückwärts auswendig erzählen kann. Ich muss zugeben, dass mit dabei im Lauf die Zeit eine kritische Distanz verloren geht, denn ich habe dann einfach kein Gefühl mehr für den Film. Dieser Zustand ändert sich erst wieder mit einem zeitlichen Abstand. Deswegen bin ich in der Phase der Veröffentlichung sehr auf das Feedback der Zuschauer angewiesen.

Aufgrund der Sehgewohnheiten der heutigen You-Tube-Generation, die sich stellenweise von meinem „Kaurismäki-Erzählstil“ nicht richtig angesprochen fühlen, sowie Schulen und Bildungseinrichtungen, die mit starren Unterrichtseinheiten arbeiten müssen, habe ich mich zu Folgendem entschieden:

:: leuchten in der finsternis erscheint als Dokfilmreihe, mit einer klaren Trennung der ersten beiden Filme:

Mut tut gut! & Was bewegen!

das Kapitel Schülerfirma kommt raus ins Bonusmaterial

die Unterrichtseinheit Wirtschaftsschule wird publikumsgerechter, schneller montiert

sowie ein Abspann erstellt, mit Information über den weiteren Lebensweg von Janine, Tanja und Tabaski.

Wenn ich das dann alles geschafft habe, wird es eine neue Premierenveranstaltung geben und spätestens dann sehen wir uns (hoffentlich) wieder. Bis dahin alles Gute. yola



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